March 11, 2006
Irans ungehorsame Kinder
Bin zufällig auf dieses Kurzvideo, über iranische jugendliche bei einem Rock-Konzert im Uni-Keller von Teheran, gestoßen. Einfach unten auf Play-Zeichen drücken.
Es ist ein kleiner Auszug von einem Beitrag der ARD aus der Sendung Weltspiegel. Hier ist der Link zur Weltspiegelseite bei dem ihr euch den ganzen Beitrag (ca. 7 min) via Real-Stream anschauen könnt.
Sehr interessanter Beitrag der ARD, aber für die meisten Iraner nichts wirklich Neues! Erstaunlich ist, dass unter Ahamadinjead solche öffentliche Veranstaltungen immer noch geduldend werden.
February 27, 2006
Die andere Seite der Medaille
Als nachdenklicher Mensch habe ich die Ereignisse der letzten Wochen vom Karikaturenstreit bis hin zum Hamas Wahlsieg und dem blutigen Konflikt im Irak genau verfolgt.
Ohne die Dinge zu beschönigen zu wollen und unnötig Partei für eine Seite zu ergreifen will ich hier die Gelegenheit nutzen, um einige Fakten zu diesen Ereignissen herausstellen, die im Zeitalter der schnellen Bilder und der selektive Wahrnehmung aufgrund der Informationsüberladung oft untergehen.
Karikaturenstreit/ Holocaustkonferenz
Abgesehen davon, dass in Dänemark eine rechts-konservative Regierung an der Macht ist und die Stimmung gegen dort lebende Ausländer, insb. muslimische Mitbürger seit längerem schon aufgeheizt ist, wurde dort durch die Veröffentlichung der Karikaturen ein Konflikt angelegt, der leider auch noch von vielen anderen europäischen Zeitungen übernommen verschlimmert wurde.
Die eigene Unsensibilität gegenüber der eigenen Religion - die überwiegend in Westeuropa vorherrscht - impliziert nicht, dass auch andere Kulturen eine ähnliche gleichgültige Haltung gegenüber der eigenen Religion haben. Die Missachtung dieser einfachen Regeln ist deswegen so unverständlich, da Europa aufgrund seiner internationalen Wirtschaftverflechtung sonst diese besonderen kulturellen Eigenheiten beim weltweiten Handel beherzigt und respektiert.
Interessant ist auch zu wissen, dass es in den meisten islamischen Ländern solche ähnliche Karikaturen über Jesus oder Moses nie geben würde - da sowohl Moses als auch Jesus von den Moslems als Propheten angesehen werden und sie deswegen auch heilig sind. Es ist ein Ausdruck der Kulturlosigkeit, wenn uns heutzutage Meinungsfrührer überall auf der Welt die fundamentale Unterschiede zwischen den Religionen weiß machen wollen die so nicht existieren. Aus diesem Grund wird auch kaum in den Debatten um den Karikaturenstreit in westlichen Medien nie auf die Beweggründe für eine Veröffentlichung dieser Karikaturen durch die dänische Zeitung verwiesen. Wahrscheinlich würde die Antwort nur Provokation heißen.
Lieber zeigt man auf die bösen Moslems, die Botschaften in Brand setzen und vergisst dabei zu sehen, dass die Mehrheit der Moslems sich ruhig und besonnen verhält. Wie viele von den 11 Millionen Teheraner haben vor den westlichen Botschaften demonstriert? Lass es von mir aus 300 Personen gewesen sein; das waren alles die üblichen Verdächtigen die auch iranische Universitätsstudenten verprügeln und für Geld bei jeder staatlich gelenkten Demonstration dabei sind. So wird es auch in den meiste anderen moslemischen Länder gewesen sein.
Gleichzeitig fällt der Westen in die Falle der islamischen Fundamentalisten à la Ahamadnijead und seiner Holocaustkonferenz. Dieser Konferenz wird hauptsächlich dafür benutzt, um die Doppelstandards des Westens in Bezug auf Presse- und Meinungsfreiheit aufzuzeigen. Dafür kam dieser Karikaturenstreit sehr gelegen und wurde/wird künstlich am Leben erhalten.
Hamas Wahlsieg
Apropos Doppelstandards: Wie sehr die Demokratisierung des Nahen Ostens am Herzen der westlichen Nationen liegt, konnte man eindrucksvoll an den Reaktionen zum Hamas-Wahlsieg und die darauf folgenden Maßnahmen beobachten. Es ist genau das eingetreten, was wir schon in unserem Blog immer wieder sagen: Die Ad hoc Demokratisierung des Nahen Ostens würde überall auf einen Schlag fundamentalistische Regierung an die Macht bringen.
Diese ganzen Demokratiekonzepte für den Nahen Osten haben alle eins gemein: der Westen setzt sie nicht konsequent um. Auf der einen Seite führt man Sanktionen gegenüber demokratisch gewählte Regierung wie die Hamas (ohne hier die Hamas schön reden zu wollen) ein, auf der anderen Seite unterstützt man totalitäre Regime wie in Pakistan und Saudi-Arabien). Diese Diskrepanzen fallen auch den einfachen Leuten im Nahen Osten auf und treiben sie deswegen auch in die Arme der Fundamentalisten, die die zunehmende westliche Gefahr propagieren.
So lange man nicht verstehen will, dass die Entwicklung von Demokratie eine angemessene Zeit braucht und keinem Land aufgezwungen werden kann, solange unterstützt man (vielleicht) ungewollt Fundamentalisten und Aufständische, die jeden Fehler der demokratiepreisenden Nationen dieser Erde von Guantanamo und Abu-Graib bis zu vermeintlich harmlose Karikaturen für ihre eigenen Zwecke missbrauchen.
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February 04, 2006
Kurz Notiert :: Januar 06 ::
Mehr Erdgas-Importe als -Exporte
Wieder einer dieser grotesken Geschichten: Das Land mit den zweitgrößten Ergasreserven der Welt importiert zur Zeit mehr Erdgas als es exportiert. Der Vorsitzende des Nationalen Gas Gesellschaft Irans (NIGC) bestätigte, dass der Iran bis März 2006 ca. 8 Milliarden Kubikmeter Gas aus Turkmenistan einführen wird, wobei die iranischen Gas-Exporte in die Türkei nur 5,5 Milliarden Kubikmeter für den gleichen Zeitraum betragen werden.
Gründe dafür liegen in den noch nicht erschlossenen Ergasfeldern, die hohe Inlandsnachfrage und nicht zuletzt in der langsamen Markterschließung.
Siehe zu diesem Thema auch unseren Beitrag: Wirtschaftsembargos und die Auswirkungen für den iranischen Energiesektor
Iran und HIV
Nach Angaben des iranischen Gesundheitsministeriums gibt es im Iran zur Zeit 12.556 HIV-Positive Patienten. Darunter 11.875 Männer und 681 Frauen. Nach Angaben des Ministeriums haben über 60% der Patienten die Krankheit mittels Benutzung unsteriler Spritzen beim intravenösen Drogenkonsum entwickelt. Experten schätzen, dass die tatsächlich Zahl der HIV-Infizierten im Iran deutlich höher liegt.
Ein Vergleich zu diesen Zahlen: in Deutschland leben rund 45.000 Menschen mit HIV.
Teheran – New York Flüge?
Der Verband der iranischen Luftfahrtunternehmen hat den Wunsch geäußert, nach 25 Jahren wieder Direkflüge zwischen Teheran und New York aufzunehmen zu wollen. Dieser Anfrage sei schon an die zuständigen US-Behörden weitergereicht worden, wobei man bisher keine Antwort erhalten habe so ein Sprecher. Der nordamerikanische Markt sei für die iranischen Luftfahrtgesellschaften ein sehr interessanter Markt, da jedes Jahr mehrere tausend Exiliraner aus USA und Kanada ihre Verwandtschaft im Iran besuchen.
January 28, 2006
Globalisierungsindex 2005 und die Brain Drain Problematik
Jedes Jahr veröffentlicht die internationale Unternehmensberatung A.T Kearney zusammen mit dem renommierten Polit-Magazin Foreign Policy ein Globalisierungsindex der 62 wichtigsten Volkswirtschaften der Welt. Die Globalisierung der Länder wird anhand vier Dimensionen gemessen und soll Aufschluss über die wirtschaftliche, politische und soziale Integration und Vernetzung der Länder mit der Weltgemeinschaft geben. Leider schneidet Iran in der Gesamtbewertung, wie in den Vorjahren, am schlechtesten ab.
Interessant ist, dass die Autoren der Studie ihre Daten mit den Daten anderer Organisation in Beziehung bringen und somit gewisse Aussagen in Rahmen der Globalisierung treffen.
Eine wichtige Aussage im diesem Report lautet, das es einen Zusammenhang zwischen den öffentlichen Aussagen für Bildung und Forschung und der Grad der Globalisierung gibt. Diese Korrelation sei insbesondere bei den Entwicklungsländern stark ausgeprägt, wie das nachfolgende Bild verdeutlicht.
Das Bild zeigt deutlich, dass der Anteil der öffentlichen Ausgaben Irans für Bildung und Forschung gemessen an seinem Bruttosozialprodukt relativ gesehen höher bzw. gleich hoch ist wie jene Bildungsausgaben einiger entwickelten Länder. So liegt der Anteil der öffentlichen Bildungsausgaben von Deutschland und Irland relativ gesehen auf der der gleichen Höhe wie die des Irans. Wobei Irland den zweiten Platz in der Gesamtbewertung des Globalisierungsrankings einnimmt und Deutschland den 21 Platz.
In Anbetracht dessen, dass laut den Autoren dieser Studie „[a] Shifting to a globalized economy means that an educated population is just not desirable but essential“ lässt dies im Falle des Irans einige Implikationen zu:
Es wird somit die These bestätigt, dass die politischen Strukturen bei der Ausnutzug der gesellschaftliche und wirtschaftliche Potenziale des Landes im Wege stehen.
Damit verbunden erkennt man die Ursachen der Brain Drain Problematik.
In einer Hinsicht ist der Iran allerdings sehr globalisiert und kann sich mit dem Titel des Exportweltmeister Rühmen: In keinem anderen Land der Welt haben innerhalb der letzten Dekaden so viel gut ausgebildete Menschen das Land Richtung USA, Australien und Europa verlassen.
Mit dem Prozess der Globalisierung geht nicht nur ein Wettbewerb um Investitionen und Arbeitsplätze sondern auch um natürliche Ressourcen und berufliche Qualifikationen einher.
Zwar ist es selbstverständlich und wünschenswert, dass im internationalen Austausch zwischen Ländern nicht nur Waren sondern auch Arbeitskräfte verkehren, aber wenn dieser Transfer fast ausschließlich in eine Richtung erfolgt, wird es dauerhaft zu schwierigen Strukturproblemen führen.
Es ist ein offenes Geheimnis, dass beispielsweise Kanada seinen wirtschaftlichen und wissenschaftlichen Aufstieg der letzen 30 Jahre vor allem den Emmigerten aus China und Iran zu verdanken hat.
Wer nichts tut um diese Fehlentwicklung zu korrigieren, darf sind nicht wundern, wenn immer mehr gut ausgebildete junge Iraner genau dort im Ausland ihre Chancen suchen werden.
January 20, 2006
US-Basketballspieler im Iran
Schon mal Spiele der iranischen Basketball-Liga gesehen? Nein? Ist auch nicht so tragisch, weil ihr nichts verpasst habt! Daher gibt es normalerweise auch wenig zu berichten vom iranischen Basketball. Aber hier ist etwas, was sehr berichtenswert ist.
Ich wusste zwar, dass es im Iran eine Basketball-Liga gibt, doch als ich dies hier zum ersten Mal gehört habe, konnte ich es selbst nicht glauben.
In der iranischen Basketball-Liga gibt es tatsächlich einige amerikanische Spieler, wobei einige schon seit Jahren dort spielen. Das ist doch verrückt!

Bei unserer Außenpolitik und unserem Präsidenten gleicht das schon fast einem Wunder, dass sich einige Amerikaner freiwillig im Iran aufhalten. Ich weiß, dass man Sport und Politik außernander halten sollte, aber im Iran ist das ja nicht immer so einfach. Da werden Sport Ereignisse nicht selten zu politischen Kundgebungen.
Plötzlich küssen Fussballspieler vor einem Spiel Bilder von Khomeini, oder andere Sportler halten Bilder von Khomeini und Khamenei hoch. Ich kann mich noch ganz genau an eine Szene eines Ring Turniers vor einigen Jahren erinnern, wo auch amerikanische Ringer teilgenommen haben. Als sie die Halle betraten hielten sie Bilder von Khomeini & Co. hoch und küssten diese auch noch. Später hieß es dann, sie wollten freiwillig ihre Liebe zu Iran und seinen Führern zeigen...bla bla bla.

Und nun haben wir plötzlich amerikanische Spieler in der Liga, die anscheinend auch noch Gefallen gefunden haben. Zwar fiel es ihnen am Anfang schwer überall angestarrt zu werden, doch inzwischen haben sie sich laut eigenen Aussagen mit den Umständen arrangiert. Sie bieten in der Liga eine gute Show und die Fans lieben sie dafür. Denn sie sind groß, schwarz, können dunken und Amerikaner...Exotic Pur.
Allerdings muss man sagen, dass diese Spieler natürlich nicht zu der amerikanischen Basketball Elite gehören. Vielmehr sind sie Weltenbummler und haben schon in vielen Ligen der Welt gespielt. Sozusagen "Basketball Söldner"!

Zur Zeit gibt es ca. 19 US-Basketballer in der iranischen Basketball-Liga. Einer davon ist Joseph Garth, Jahrgang 1973 der für den iranischen Basketball-Verein "Saba" spielt. Dieser Spieler hatte sogar eine Saison lang für die NBA-Mannschaft der Chicago Bulls gespielt, wurde aber nur zweimal eingesetzt.
Was mich dennoch wundert, ist warum sie ausgerechnet in Iran geladet sind. Es gibt doch so viele andere Basketball Ligen auf der Welt. Entweder verdienen sie gutes Geld im Iran, was ich weniger glaube, oder sie sind tatsächlich so schlecht, dass ihnen als einziges die iranische Liga übrigbleibt. Wie auch immer, sind sie trotzdem eine Breicherung für den iranischen Basketball. Doch sie dürfen sich nicht wundern, wenn in Zukunft auch mit ihrer Person politische Propaganda betrieben wird.
January 10, 2006
Hohe Ölpreise – die wahren Gewinner und Verlierer
Die Hohen Ölpreise haben einen noch nie da gewesenen Wohlstandstransfer von den Industriestaaten an die OPEC-Länder ausgelöst. Ökonomen schätzen, dass den OPEC-Ländern im Jahre 2005 ca. 450 Mrd US$ aus dem Ölexport zugeflossen sind.
Vor allem in Deutschland sieht man durch hohe Ölpreise eine Gefahr für die Überwindung der deutschen Wirtschaftsstagnation. Bei dieser Betrachtungsweise wird aber oft übersehen, dass die OPEC-Länder einen erheblichen Anteil ihrer Einnahmen wieder in den Industrieländern für Maschinen und Anlagen ausgeben.
Je länger der Ölboom anhält, desto voller werden die Auftragsbücher deutscher Maschinen und Anlagenbauer. Die Golfstaaten sind für den deutschen Großanlagenbau zur wichtigsten Absatzregion avanciert, bedeutender als Asien und die westlichen Industriestaaten.
Zwar ist China noch immer für diese Branche der wichtigste Einzelmarkt, doch im vergangenen Jahr sind aber erstmals mehr Aufträge aus Iran und Saudi-Arabien bei deutsche Maschinen- und Anlagenbauern eingegangen als aus China. Darüber hinaus gehört der Iran zu den Top 10 Bestellern deutscher Produkte.

Der Deutsche Industrie und Handelskammertag schreibt dazu:
„Der Iran – mit Ausfuhren von etwa € 3,6 Milliarden 2004 der größte Markt der Region für deutsche Exporteure – wird mit einem Nachfragezuwachs von 35 Prozent im Jahr 2005 und 15 Prozent im Jahr 2006 einer der dynamischsten Märkte weltweit sein.“
Die hohen Einnahmeüberschüsse von heute garantieren der deutschen Wirtschaft auch in Zukunft volle Auftragsbücher aus der Golfregion, da Großprojekte wie etwa im Öl- und Gassektor eine lange Vorlaufszeit haben und ihre Abwicklung meist mehrere Jahre dauert.
Leider hat der Iran, wie auch bei früheren Ölpreisbooms, dabei die Chance zur Strukturreform und Diversifizierung seiner Wirtschaft verstreichen lassen. Der ehemalige Präsident Khatami schaffte es in seiner zweiten Amtsperiode wichtige Meilensteine in dieser Frage anzustoßen und erste Erfolge zu erzielen.
Die Privatisierung und die Diversifizierung der Wirtschaft schafft mittelfristig Arbeitsplätze für die schnell wachsende Bevölkerung, eine Öffnung der iranischen würde zudem ausländische Investoren und ihre Technologien anlocken.
Der Iran hätte durch seine hohen Öleinnahmen die Möglichkeit negative „sozialen Kosten“ (kurzfristige Erhöhung der Arbeitslosigkeit etc.), die zwangsläufig durch die Transformation einer geschlossenen Wirtschaft zur einer offenen Wirtschaft entstehen, abzufedern. Da aber die neue Regeierung hauptsächlich mit anderen Themen beschäftigt ist, wird die Bevölkerung nur wenig von dem Ölboom mitbekommen und weiterhin mit ineffizienten Strukturen und einer hohen Arbeitslosigkeit weiterleben müssen.
So müssen wir wohl noch lange auf unserem Platz in einer globalisierten Welt warten, der nächste Ölboom kommt bestimmt (….und die nächste Regierung auch).
January 02, 2006
Hunde, die Bellen beißen nicht
Die heftige internationale Kritik an seiner anti-Israelischen Aussagen schmetterte der iranische Präsident dmit ab, dass die Kritik an seine Person ungültig sei, da seine Aussagen nichts anderes als die Meinung des iranischen Volkes darstelle. Tatsächlich gab es im Iran im Gegensatz zu den anderen Ländern im Nahen Osten kaum Resonanz zu Ahmadinejads Erklärungen.
Auch wenn schon seit der iranischen Revolution die allgemeine Devise zur „Befreiung von Jerusalem bei den iranischen Machthabern besteht, gab es bisher zwischen dem islamischen Regime und Israel keine offenen Reibungspunkte. Iran befindet sich nicht im territorialen Disput mit Israel und kann sich auch nicht über ein palästinisches Flüchtlingsproblem beklagen.
Im Gegenteil: zwischen Iran und den arabischen Ländern existiert länger eine feindliche Beziehung als zwischen Iran und Israel, deren Beziehung vor der Revolution noch auf gegenseitiger Toleranz basierte. Nach der Revolution beschränkte sich diese Beziehung hauptsächlich auf verbale Attacken der Staatsführer sowie geheime Geschäfte, wie z. B. die geheimen Waffengeschäfte während des Iran-Irak Krieges zwischen Israel und Iran.
Deswegen ist es auch vor dem Hintergrund der angespannten wirtschaftlichen Lage nicht verwunderlich, wenn sich die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung im Iran nicht um solche Parolen schert. „Vergesst die Palästinenser kümmert euch lieber um das eigene Volk“, spiegelt die Haltung vieler Iraner in dieser Frage.
Diese Ablenkungsaktionen, die Ahamdinejad zur Zeit mit seinem außenpolitischen Konfrontationskurs betreibt, sollen nichts weiter als von den wirklichen Probleme des Landes ablenken. Ahamdinejad will seinem großem Vorbild Ayatollah Khomeini nacheifern, der stets außenpolitische Krisen zum Zwecke der inneren Einheit und Zugeständnisse Seitens der Bevölkerung an die Politik genutzt hat. So sah Khomeini im Iran-Irak Krieg damals als einen Segen für die junge „islamische Revolution.“
Ahamdinjead will diesen Kurs fortsetzen, in dem er eine äußere Gefahr hinauf beschwört, den Iran isoliert um somit von den innenpolitischen Kompetenzproblemen seiner neuen Regierung abzulenken.
Langsam aber sicher gehen sogar die iranischen Hardliner mit Ahmadinejad auf Distanz. Seit einiger Zeit findet eine schleichende Behinderung und Zuwidersetzung der Politik des Präsidenten durch alteingesessene Kleriker und konservative Parlamentsabgeordnete statt. Beste Beispiele dafür sind die Abweisung der drei Kandidaten für das Posten des Ölministers durch das Parlament, welches Mehrheitlich von konservativen dominiert wird, die Nominierung Rafsanjanis zum Vorsitzenden eines staatlichen Kontrollgremiums und die Limitierung der Machtbefugnisse der Exekutiven eben zugunsten dieses Kontrollgremiums durch den Geistlichen Führer Ali Khamenei.
Auf Basis der aktuellen Ereignisse denke ich, dass die jetzigen Machthaber allein schon aus opportunistischen Gründen weiter am Stuhl von Ahmadinejad sägen werden und ihn in der Außenpolitik und in Teilen der Wirtschaftspolitik soviel Kompetenzen abringen, bis nichts mehr anderes übrig bleibt als ein ein zahnloser Tiger.
December 28, 2005
Neuanfang
Lieber Leser,
wir haben nun seit mehreren Monaten diesen Blog aus unterschiedlichen Gründen, auf die ich noch später näher eingehen werde, nicht mehr aktualisiert.
Nun wollen wir einen Neuanfang wagen und diesen Blog fortsetzen. In Zeiten des zunehmenden Konfrontationskurses der iranischen Politik sowie der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Unsicherheit durch die Wahl von Herrn Ahamdinejad zum Präsidenten wollen wir weiterhin über den Iran berichten und die Facetten des Landes jenseits von ideologischen Scheuklappen vorstellen.
Leider hatten mehrerer Gründe uns dazu bewogen, den Blog vorerst still zu legen:
Zum einem arbeite ich, so dass ich nur noch begrenzt Freizeit habe. (Ist leider auch kein Nine-to-Five Job.)
Auch Roh hat wenig Zeit, da sich sein Studium langsam dem Ende neigt und das Leben nicht nur aus Universität und Bloggen besteht!
Zweitens, ist uns - so komisch es für manchen jetzt auch klingen mag - der Ausgang der vergangenen Präsidentschaftswahlen sehr nah gegangen. Die Rolle rückwärts, die der Iran momentan vollzieht, enttäuscht uns sehr….
Drittens, fragen wir uns, für wen wir die ganzen Beiträge schreiben! Uns hat es immer wieder gefreut, wenn Iran-Now.de Beiträge veröffentlicht hat (Danke hierfür!) oder wenn sich Journalisten bei uns meldeten. Doch aus der Anonymität heraus ist es sehr schwer, davon in irgend einer Form selber zu profitiren.
Mir hat das ganze Bloggen großen Spaß bereitet. Ich habe jedoch gemerkt, dass mich der Iran nicht weiter bringt. Ich wünschte es wäre anders…
So ähnlich haben wir den meisten von Euch geantwortet, die uns gefragt haben, warum wir den Blog nicht mehr aktualisieren. Eure Antworten haben uns erstaunt und nachdenklich gestimmt. Sie haben uns im Endeffekt dazu bewogen, unseren Blog in leicht modifizierter Form weiter zu führen. Hierzu brauchen wir aber euere Hilfe.
Da wir nur noch bedingt Zeit haben, regelmäßig Beiträge zu veröffentlichen, würden wir uns über jeden Gastbeitrag Eurerseits sehr freuen. Ihr habt hier die Möglichkeit, euer Wissen, eure Erfahrungen und eure Ansichten mit einer interessierten Öffentlichkeit zu teilen.
Nachfolgend zwei Auszüge aus Antwort-Mails, die wir von Euch erhalten haben, und die uns nachdenklich gestimmt haben.
Helmi schrieb uns:
Amirot Hallo,grundsätzlich ist es natürlich enttäuschend die Gründe die Dich dazu bewegt haben aufzugeben sind traurig. Ich weiß irgendwann geht einem die Kraft aus wenn man lange Zeit versucht was zu bewegen und nichts dabei rauskommt. Es sind ja inzwischen viele Jahrzehnte in denen viele Iraner versuchen Änderung im Iran herbeizuführen. Es sind viele Menschen die nach Jahren aufgeben es gibt viele Junge Menschen die neu Anfangen so wie Du. Dein Blog ist sehr gut und ich glaube auch wenn Du nicht den Eindruck hast es gibt viele Leser und viele Menschen denen Du mit Deinem Blog hilfst gerade so Leute wie ich die in Deutschland aufgewachsen sind Halbiraner denen hast Du ermöglicht auch hinter die Kulissen zu schauen. […]
[…] Ich weiß natürlich, dass es aus finanzieller Sicht keinen Sinn macht so
einen Blog zu führen. Aber bitte gib nicht auf, wenn Du auch keine Zeit hast den Blog in der bisherigen Intension weiterzuführen. Ruf in Deinem Blog zu mehr Gastbeiträgen auf. Auch ich werde mich bemühen mal einen Gastbeitrag zu verfassen.Du schreibst der Iran bringt Dich nicht weiter. Ich glaube das der Iran leider nicht in der Lage ist uns weiterzubringen, vielmehr müssen wir den Iran weiterbringen und das geht nur wenn wir unermüdlich das weitermachen was wir am besten können. Menschen auf beiden Seiten informieren in Kontakt bleiben und versuchen das der Iran nicht isoliert wird in der Weltgemeinschaft was gerade derzeit Ahmadinejad versucht.
Gerade solche unbedachten Aktionen wie der Ausschluss Irans aus der WM, wie
es einige Politiker in Europa gefordert haben treiben den Iran in die Isolation und die Konservativen im Iran wollen genau dies. Es geht nicht, dass einerseits die Regierung anerkannt wird, dass anderseits der Präsident Ahmadinejad zu Staatsbesuche im Westen Empfangen wird und das sich die unzivilisierten Äußerungen des Iranischen Präsidenten lediglich auf Empörung stoßen aber ohne politische Konsequenz bleiben.Iran braucht einen Ruck aus dem Ausland sowohl von den Exil Iranern als auch von starken Demokratien. Wenn jemand Stärker ist ist es seine Pflicht dem schwächeren auf die Beine zu helfen damit schwächere auch in Freiheit und Demokratie leben können. Solche Blogs wie Deiner sind wahrscheinlich ein Tropen auf den heißen Stein, so scheint es zumindest wenn man so einen
Rückschlag erlebt wie die Präsidentenwahl, aber ich glaube dennoch das ein
solcher Tropfen zum richtigen Zeitpunkt Grosses bewirken kann man darf nurnicht aufgeben…
Payam schrieb:
Hallo Amiroot!Freut mich, dass du dich gemeldet hast.
Ist wirklich schade mit dem Bloggen. Deine Artikel waren immer lesenswert und interessant. Aber wie du schon selber erwähnt hast muss man halt Prioritäten im Leben setzen und Arbeit geht da natürlich vor. Ich merke das gerade selbst seitdem ich studiere.Die Folgen der Präsidentschaftswahlen haben natürlich ihren Beitrag dazu geleistet und haben alle Hoffnungen in Richtung Reformen zunichte gemacht. Da mag einem das ständige Bloggen sinnlos erscheinen. Kann ich verstehen. Jedoch zeigt es den Leuten im Ausland auch eine andere Sicht der Zustände im Iran jenseits des Mainstreams.
Insbesondere die Äußerungen Ahmadinejads haben eine breite Welle der Empörung in den deutschen Medien ausgelöst. In meinem Bekanntenkreis hingegen war von Sympathie bis völliger Abneigung alles enthalten und daraus folgten natürlich hitzige Debatten.
Hierbei, wenn es dich interessiert, möchte ich auf den Artikel des Satirikers Henryk M. Broder hinweisen, dessen Äußerungen Rückhalt bei einigen iranischen Zeitungen hinterließen: "Gebt den Juden Schleswig-Holstein!". Vielleicht hast du selbst schon davon gehört…
Vielen Dank noch mal an alle die uns ermutigt haben weiter zu machen und ihre Unterstützung angeboten haben. Bitte vergisst nicht, wir freuen uns über jeden Beitrag von Euch.
September 07, 2005
Gastbitrag: "Einheitskleidung!"
Sind wir wirklich auf dem weg zu einer „Talibanisierung im Iran“, wie Rafsanjani vor der zweite Wahlrunde und Chatami vor ein paar Tagen angedeutet haben?
Die jüngsten Aussagen vom Hr. Mohammad Taghi Rahbar, Mitglied des Kulturausschusses im islamischen Parlament ist entsetzlich.
Er will eine „islamische Kleidung für Frauen als Muster“ festlegen und wie er behauptet „die obszönen und unanständigen Kleider, die für jede ehrbare Familie beschämend ist“ abschaffen. Denn „sie hätten nichts mit der islamischen und iranischen Kultur gemein!“
Herr Rahbar zeigt sich zum Schluss natürlich sehr tolerant: „Nein, die Länge der Haare steht nicht zur Diskussion. Vielleicht mag jemand lange Haare. Wir können doch nicht die Leute provozieren und uns in ihre Privatangelegenheiten einmischen.“
Ich finde es ist folgendermaßen:
• Durch Schleier und Hijab werden Frauen im Islam zu einem Sexsymbol gemacht. Die Frauen sind immer die Ersten, die radikale (ideologische so wie politische) Umstellungen in einem islamischen Land zur Spüren bekommen. Hijab ist die erste Maßnahme, welche die fundamentalistisch islamische Regierung unternimmt, um die Bevölkerung unter Druck zusetzen.
• Ich verstehe nicht, wie kann ein islamisches Land, wie Iran sich versteht, die sogenannte „islamischen Regeln“ für eine bestimmte Zeit (ganze 8 Jahren) auslassen? Wo waren die sogenannten „ehrbaren Familien“ in den letzten 8 Jahren? Im Tiefenschlaf versetzt? Ich glaube, da Herr Rahbar während der letzten zwei Legislaturperioden nicht genug Macht besaß, um Mitbestimmungsrecht haben zukönnen, traute er sich nicht direkt zu sagen: „Jetzt bin ich dran“. Reine Wichtigtuerei und ein weiteres islamisches Regel, um ihm als Machthaber an mehr Autorität zu verhelfen.
• Islamische und iranische Kultur? !!!
Islamische Kultur: Für meine Auffassung eine Verschmelzung aus jüdischer, christlicher und polytheistischer Kultur. (Es werden Fakten aufgestellt, dass manche Hadj-Rituale auf damalige Rituale von Polytheismus (Bottparastan) basieren.) Dass durch manche Verhaltungsregeln im Islam vielleicht einige Völker zur Zivilisation gelangen und ihre erste Steine für überhaupt eine Kultur erarbeiteten, kann man nicht aberkennen. Aber es gibt und gab keine unverkennbare sogenannte „islamische Kultur“. (An dieser Stelle hatte ich eigentlich sehr viel mehr über den Ursprung des Islams angedeutet gehabt, aber es schweifte zu sehr vom Thema ab.)
Iranische Kultur: hatte nichts mit Islam zutun gehabt. Kurzgefasst: die Lehre Zarathustras umfasste gerade mal drei Grundsätze: “Gute Gedanken“, „Gute Worte“, „Gute Taten“ (Pendar-e Nick, Goftar-e Nick, Raftar-e Nick)
Und da gebe ich Hr. Rahbar recht:
Seine Auslegungen haben nichts mit iranischer Kultur gemein!
Zu der geistlosesten Aussage hinsichtlich „ Einmischungen in jedermanns Privatangelegenheiten“ kann ich nur wieder mal von www.Schmidt-salomon.de folgendes zitieren:
Das schlimmste Szenario für Immanuel Kant ist Wirklichkeit geworden: „...dass nach Kant kommende Generationen weder in einem „aufgeklärten Zeitalter“ noch in einem „Zeitalter der Aufklärung“ leben werden, sondern in einem „Zeitalter religiöser Gegenaufklärung“, in dem Gotteskrieger verschiedenster Couleur den Takt vorgeben, nach dem die gesellschaftlichen Verhältnisse zu tanzen haben…“
Ein Beitrag von S.K für IranReloaded
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Filed under Gastbeiträge | Gesellschaft
August 20, 2005
Die iranische Position – Besser denn je!?
Nicht viel Neues in letzter Zeit. Außer einem Thema, was inzwischen so an Brisanz gewonnen hat und ständig in den Medien besprochen wird, dass es wieder langweilig geworden ist. Zumindest für mich.
Der Atomkonflikt nämlich…
Zugegeben, es war nicht überraschend, dass es so einen Verlauf nimmt. Und dies hängt meiner Meinung nach nicht mit der Wahl Ahmadinejads oder der Berufung des neuen Atomministers Larijani zusammen. Es ist einfach die logische Konsequenz aus den Entwicklungen der letzten Zeit, die schon zu Khatamis Zeiten einsetzten.
Nun haben die Iraner die Anreicherung von Uran wieder aufgenommen und drohen damit so lange weiterzumachen, bis kein geeignetes Angebot von den Europäern kommt. Und die EU3-Staaten haben wahrlich nichts Konstruktives auf den Tisch gelegt.
Denn auf der einen Seite können sie keine weit reichenden Vorschläge machen, weil sie wissen, dass Bush & Co. nicht zustimmen würden. Und auf der anderen Seite können sie auch nicht zulassen, dass der Fall vor der UN verhandelt wird und wahrscheinlich mit Sanktionen endet. Davon abgesehen, dass diese Sanktionen sowieso nicht das Regime treffen würden, treffen sie auf alle Fälle die europäische Wirtschaft. Vor allem Deutschland, als Importland Nr. 1 im Iran, ist sehr bedacht, dass der Fall Iran nicht vor der UN landet. Jedoch ist dies kaum mehr möglich.
So haben es die Iraner wieder geschafft die Position der USA und der EU auszunutzen. Sie spielen diese Positionen geschickt gegeneinander aus und verweisen darauf, dass sie ihre Versprechen bislang eingehalten haben, was auch stimmt. Z.B. die Einhaltung der Verhandlungsfrist oder der Einlass von internationalen Beobachtern in den Anreicherungsstätten.
Denn Sie wissen, dass die Europäer alles daran setzen werden den Fall nicht vor der UN verhandeln zu müssen und ein militärisches Eingreifen…Naja, davon sind wir ja weit entfernt, obwohl sich Bush die militärische Variante offen gelassen hat.
Was soll er denn auch anderes machen?!
Somit haben wir inzwischen ein neues Kapitel im Atompoker aufgeschlagen, wo der Iran eindeutig die Asse in der Hand hat.
Vielleicht wird es die einen freuen, aber dies bedeutet auch, dass für die Verhandlungen und alles drum herum so schnell kein Ende in Sicht ist. Vermutlich wird es noch einige Jahre so weiter gehen…
August 12, 2005
Gastbeitrag
Gestern Betty Mahmoodi,
Heute Ahmadinejad,
Morgen???
Es ist schon wieder einer von den Tagen, den ich wirklich sehr frustrierend finde.
In letzter Zeit ist soviel passiert, dass ich wieder mal an die Zeit nachdenken müsste, als das Buch und der Film von Betty Mahmoodi, wie ein Geist seine Runden drehte und überall rumspuckte.
Damals haben mich, alle meine deutsche Bekannten und nicht Bekannten, Mitarbeiter, sowie alle anderen, die auch nur gehört hatten, dass ich aus dem Iran komme, angesprochen und mich so angesehen wie ein armes, kleines, weises Mädchen, das unter Trümmern von Zivilisation und kultureller Not stecken geblieben ist. Sie dachten wohl ich sei sehr Mitleidsbedürftig und waren so gütig mir alles, was richtig und gesittet ist zu zeigen.
Ich spotte nicht.
Kennen Sie das Gefühl? Wissen Sie wovon ich spreche?
Ich spreche von ständig klugen Statements, die alle glauben machen zu müssen und nicht mal sich und Dich fragen, ist da überhaupt etwas Wahres daran?
Standardfrage war: „Sag mal wieso waschen sich die Menschen im Iran nur einmal im Monat?“ und wie erwartet, folgte unmittelbar: „Hat das etwas mit eurem Glaube zu tun?“ „Gehören Kakerlaken in eurem Essen zu irgendeiner Sitte?“ Und natürlich ohne Ausnahme folgte immer: „Oh mein Gott, sei froh, dass du im Deutschland lebst. Du hast es gut hier und hast ja gelernt so zu leben wie wir!“
Wohl gemerkt, keine Frage nach Richtigkeit der Aussagen (keinerlei Anzeichen von: ich interessiere mich zu wissen…) sondern nur kalte, leichtfertige Statements.
Ich war damals unerfahren und habe meine verletzten Gefühle und mein zerbrochener Stolz mit einem Schrei und heftige Auseinandersetzungen verteidigt. Heute verhalte ich mich genauso wie sie und finde auch, dass es effektiver ist.
Aber das Problem ist, wie Alfred Polgar mal schrieb: „Die Menschen glauben viel leichter eine Lüge, die sie schon hundertmal gehört haben, als eine Wahrheit, die ihnen völlig neu ist.“
Und genau so ist es. Nach so vielen Diskussionsrunden, Erörterungen, skandalöse Enthüllungsgeschichten, nach so vielen Interviews und Dementis, und etliche Artikeln über die wahre Geschichte von Betty Mahmoodi, wollen die meisten die Falschheit der Geschichte nicht wahr haben.
Wieso denn auch? Es ist viel leichter das zuglauben, was sie sich schon immer von Orient und Iran vorgestellt haben, und mit diesem Film fühlten sie sich in ihren Gedanken bestätigt.
Einmal als Gegenargument dafür, dass das Land gar nicht Iran war, wo der Film gedreht würde, antwortete eine Kollegin sehr überzeugt: „Warum sollte es nicht so sein? Sogar im Film „Lawrence von Arabien“ hat das Land so ausgesehen!“
Ich wundere mich heute noch über diese tatsächlich ernst gemeinte Aussage.
Es wird immer noch sobald der Name Iran fällt gleichzeitig und fast wie bei einem Chorgesang: „Nicht ohne meiner Tochter“ gerufen!
Seit Tagen ist wieder mal Iran ein beliebtes Thema, worüber viele sich verpflichtet fühlen darüber zureden. Egal was sie von sich geben, sie wollen nur behaupten, dass sie sehr viel für die Weltpolitik übrig haben.
Um das richtig zustellen, sie sind alle hoch intelligent.
z.B.: ich arbeite in einem Büro, wo meine meisten Mitarbeiter Absolventen der renommiertesten Universitäten Europas sind. Wir arbeiten alle in einer internationalen Ebene. Von internationalen Mitarbeitern bis hinzu diverse Auslandsreisen mehrmals im Jahr.
Dennoch, die Aussagen bestehen nur aus Vorurteilen. Sie sind nicht mal über die aktuellsten Nachrichten informiert. Insbesondere, weil ich die einzige Iranerin in diesem Büro bin, fühlen sich natürlich alle verpflichtet ihre Meinung unaufgefordert mit mir zu teilen.
Jetzt ist Ahmadinejad und seine neue Regierung an der Reihe. Ich weiß, die Statements werden schärfer und unbedachter, aber sie bleiben fast der gleichen wie damals.
Zumal man an diese Vorurteile LEIDER nichts ändern kann, muss man nur Geduld und Humor aufweisen. Humor, weil viele Aussagen wirklich sehr borniert sind, wie z.B.:
„Sei froh, dass du hier lebst!“ „Stell dir vor du würdest im Iran leben und müsstest unter der neuen Regierung sehr viele Demütigungen als Frau hinnehmen. Du bist aber hier und genießt die Freiheit!!!“
Was sagt man dazu?
Zum Schluss möchte ich euch die aktuellste Bemerkung einer unseren Geschäftsführer nicht vorenthalten:
„Sehen alle Männer im Iran so aus wie euer neuer Präsident Ahmadinejad?“
Ich erwiderte nur: „sofern Sie die Meinung vertreten, dass alle Frauen in Deutschaland so aussehen wie Angela Merkel…“
Ein Beitrag von S.K. für IranReloaded
August 10, 2005
Was soll ich sagen?
In letzter Zeit häufen sich wieder die Fragen. Ich werde oft gefragt, was ich denn von der aktuellen Entwicklung im Iran halte und was es mit dem neuen Präsidenten auf sich hat.
„Hat der Iran schon die Atombombe und ist der neue Präsident wirklich so radikal, wie er dargestellt wird?“
Ich sehe diese Fragen mit einem weinenden und einem lachenden Auge. Einerseits fühle ich mich irgendwie geehrt und verpflichtet den Fragenden korrekte Antworten zu geben und ein richtiges Bild des Iran darzustellen, was ich auch gerne mache; andererseits muß ich mich immer wieder für meine Einschätzungen rechtfertigen, da meine Darstellungen nicht dem Iran-Bild der Fragenden entsprechen, welches häufig durch die deutschen Medien geprägt ist.
Denn leider ist das Iran Bild, wie es hierzulande gezeichnet wird, nicht immer korrekt und hintergründig, was auch nicht möglich ist, da man dafür einen eigenen Iran-Sender starten müsste. Doch das Verständnis der Hintergründe ist meiner Ansicht nach sehr wichtig, um den heutigen Iran zu verstehen. Und dieses Hintergrundwissen haben die Fragenden oftmals nicht. Dies ist aber keineswegs als Vorwurf gemeint.
Ich kenne ja z.B. die Hintergründe in Ecuador oder auf den Philippinen auch nicht so gut, also kann ich auch nicht voraussetzen, dass sich jeder so intensiv über den Iran informiert, wie ich.
Häufige Fragen sind z.B.: „Welche Staatsform habt ihr?“ Auf meine Antwort folgt dann die Frage: „Aber wurde im Iran nicht gewählt vor ein paar Wochen? Wieso darf man denn bei euch wählen? Das ist doch eine Demokratie!“
Dann kommen meisten meine Erläuterungen, die dann so beginnen: „Ja aber…“
Und solche Gespräche dauern dann meistens mehrere Stunden.
Irgendwie freue ich mich, wenn ich Interesse bei meinem Gesprächspartner wecken kann, aber irgendwie habe ich das Gefühl, dass noch viele Fragen offen geblieben sind bzw. durch meine Darstellung weitere Unklarheiten und Fragen entstanden sind.
So ähnlich ist es auch mit der aktuellen Atomfrage, die wieder neu entfacht ist. Für mich ist auch nicht abzusehen, wie es sich entwickeln wird und daher basieren meine Einschätzungen auch nur auf Vermutungen. Und viele meiner Vermutungen basieren auf das jahrelange Verfolgen der Iran-Nachrichten und die Vertrautheit mit der iranischen Mentalität. Vor allem bei solchen Verhandlungen. Aber wie soll ich jemandem, der kaum Iran-Kenntnisse hat, all diese Vermutungen in kürzester Zeit näher bringen?
Wie gesagt, es braucht einfach zu viel Hintergrundwissen, um den heutigen Iran zu verstehen.
Nichts desto trotz mache ich das gerne, soweit es mir möglich ist. Vor allem mit Gesprächspartnern, die offen sind und meine, wenn auch nur kurzen, Darstellungen als Denkanreiz auffassen und bei der nächsten Tagesschau zum Thema Iran etwas mehr wissen, als der Nachrichtensprecher vorliest.
August 05, 2005
Ganji News
Treffen vor seinem Haus
Am 30. Juli hatten Studentenvertreter zu einer Versammlung vor Ganjis Haus aufgerufen, um für seine Freilassung zu demonstrieren. Unter den Demonstranten waren auch einige Dichter, wie z.B. Simin Behbahani, die für Ganji Gedichte rezitierten.
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Ganjis Anwalt festgenommen
Ebenfalls am 30 Juli wurde einer von Ganjis Anwälten, Abdolfattah Soltani, festgenommen. Er wurde von maskierten Männern entführt und soll sich derzeit im Evin Gefängnis befinden.
Ihm wird offiziell Atom-Spionage vorgeworfen. Drei Tage vorher wurde auch seine Wohnung ohne Angabe von Gründen durchsucht und auf dem Kopf gestellt.
Neben Ganji vertritt Abdolfattah Soltani, genauso wie Shirin Ebadi, auch der im Gefängnis unter mysteriösen Umständen umgekommenen Fotografin Zahra Kazemi.
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Staatsanwalt ermordet
Am 2. August wurde der Teheraner Staatsanwalt Massoud Moghadassi auf offener Straße von einem Motorradfahrer niedergeschossen.
Moghadassi ist unter anderem für die Verurteilung Akbar Ganjis (2001) und Shirin Ebadis verantwortlich, die er im Jahre 2000 für einige Tage hinter Gitter brachte.
Jedoch ist noch nicht bekannt, ob die Tat in Verbindung zu Ganji steht.
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Journalisten antizipieren mit Ganji
Einige Journalisten sind ebenfalls in Hungerstreik getreten, um für die Freilassung Akbar Ganjis zu demonstrieren.
An dieser Versammlung nahm auch die Frau Akbar Ganjis, Massoumeh Shafiei, teil.
Jedoch ist nichts über die Zahl der Journalisten bekannt.
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July 31, 2005
Kurz Notiert (Juli)
Bald 15 Millionen Basijis?
Die paramilitärische Basij-Gruppe, hat angekündigt seine Mitgliederzahl von 10 Mio. auf 15 Mio. Mitglieder zu erhöhen. Konkret soll die Mitgliederzahl auf sechs Millionen Frauen und neun Millionen Männer bis 2010 anwachsen. Zudem soll der harte Kern dieser Organisation bestehend aus Spezial und Elite Einheiten, auf über 150 000 Mann erhöht werden. Die Basij Organisation ist eine radikal islamische Gruppe, die direkt dem geistlichen Oberhaupt Ali Khamenei untersteht. Ihre Schlägertrupps (Spezial-Einheiten) sind im ganzen Land gefürchtet. Die Organisation unterhält neben ihrem militärischen Zweig auch verschiedene soziale Einrichtung für ihre Mitglieder.
Die Iranische Benzinkrise Teil III
Im Teil I wollte die Regierung bis Jahresende (März 2006), Benzin in Wert von 1,5 Mrd. Dollar importieren. Im Teil II waren es schon 3 Mrd. $. Nun hat die Regierung angekündigt, dass der Import von Benzin für diesen Zeitraum die Marke von 4,5 Mrd. US$ überschreiten wird. Das Parlament wird aber in nächster Zeit nicht die subventionierten Preisen für Benzin und Diesel verändern, um somit der Krise durch die Veränderung des Verbraucherverhaltens entgegenzuwirken. Der Benzin Verbrauch stieg im Vergleich zum Vorjahr um 10%. Ein Liter Benzin kostet im Iran zurzeit 800 Rial (0,08 €)!
Rafsanjani setzt sich für Ganji ein
Der ehemalige Präsident Rafsanjani, eines der mächtigsten Männer des Landes, hat der Judikativen „empfohlen“ Ganji zu Begnadigen. Das komische an dieser Aktion ist, dass Ganji Aufgrund seiner Vorwürfe gegen Rafsanjani, an politische Morde beteiligt zu sein, unter anderem verurteilt wurde. Darüber hinaus reiht sich Rafsanjani in die lange Liste von Personen ein, die die Begnadigung von Ganji fordern, - darunter auch George W. Bush.
Ein Sprecher der Judikativen bestätigte letzte Woche, dass man Akbar Ganji Begnadigen werde soweit er sich für seine „Taten“ entschuldigt. Bisher weigert sich Akbar Ganji diese Forderung nachzukommen und hält weiter an seinem Hungerstreik fest.
July 23, 2005
Unser Problem liegt nicht im System!
Es ist einer dieser Tage, wo ich mich frage, wo die Menschlichkeit und Nächstenleibe im unserem Land geblieben sind. Vor einigen Tagen wurden zwei Teenager im Alter zwischen 16 und 17 Jahren in der Stadt Mashad öffentlich hingerichtet. Ihr Vergehen? Sie waren homosexuell und hatten Sex miteinander.
Mir brach es fast das Herz, als ich die Bilder (1 2 3) im Vorfeld der Exekution gesehen habe. Was ist den los in unserem land? Wie kann man jugendliche zum Tode verurteilen, die weder ihre Sexualität entdeckt haben, noch wahrscheinlich wissen, dass Homosexualität im Iran unter Strafe steht.
Bei solchen Nachrichten denke ich immer, dass die meisten Probleme in unserem Land nicht im System liegen, sondern vielmehr in den Köpfen der Menschen. Wie oft habe ich schon im Iran, von so vielen gebildeten und westlich orientierten Menschen gehört, dass beispielsweise Homosexualität eine Anomalie des menschlichen Verhaltens sei, welches kontrollieren gilt. Sie reden davon, als wäre Homosexualität eine Krankheit die man behandeln, wenn nicht sogar ausmerzen müsste.
Warum wundern wir uns eigentlich über die Mangelende Toleranz und Respektlosigkeit der Mullahs gegenüber den Menschen, wenn wir nicht selber unseren Mitmenschen Respekt und Verständnis entgegen bringen.
Frauenrechte sind genau so wie Minderheitenrechte integraler Bestandteil der Menschenrechte. Menschrechte gehören wiederum zu den tragenden Säulen der Demokratie.
Solange wir Iraner diesen Zusammenhang nicht begriffen haben, können wir lange auf die Demokratisierung warten und weiter auf die Mullahs schimpfen.
Vielleicht habe ich das hier schon mal erwähnt, aber ich habe mal einen Iraner, der im Iran wohnt gefragt, was der beste Weg zur Demokratisierung des Landes sei? Er antwortete mit viel Ironie und Übertreibung, aber dennoch mit ein wenig Ernst: Schmeiß eine Atombombe!?
July 18, 2005
Free Ganji

Akbar Ganji hält inzwischen seit 37 Tagen an seinem Hungerstreik fest und hat laut Angaben seiner Frau 22kg verloren und wiegt jetzt nur noch 55kg. Vor einigen Tagen wurden auch noch persönliche Bilder von Ganji im Krankenhaus veröffentlicht, wohin er für eine kurze Behandlung gebracht worden war, auf denen ein sehr geschwächter und vom Hungerstreik gezeichneter Ganji zu sehen war.
Selbst Shirin Ebadi, Ganjis Anwältin, berichtete, dass sein Zustand inzwischen sehr kritisch ist und er (Gott bewahre) bald vielleicht sterben könnte.
Doch es gibt bislang keine Anzeichen für Ganjis Freilassung. Das Gegenteil ist eher der Fall. Teherans Oberstaatsanwalt macht ihm Vorwürfe, dass er überhaupt in Hungerstreik getreten ist und auf alle Fälle solange in Haft bleibt bis er wieder isst. Außerdem verstößt sein Hungerstreik gegen die Gefängnis Regeln!!!
Ist das nicht das lächerlichste was bisher zu Ganjis Fall geäußert wurde???
Ist denn Ganjis Haft überhaupt gerechtfertigt, dass er jetzt gegen die Regeln verstößt? Ist er ein Mörder, Vergewaltiger oder Dieb, der sich seine Freilassung durch Hungerstreik „erpressen“ will? Werden ihm die gleichen Rechte eingeräumt, wie den anderen Gefangenen?
Die Antwort auf all diese und andere Fragen lautet selbstverständlich NEIN!
Vielleicht kennen einige von euch die „Bobby Sands Straße“ in Tehran. Ich zumindest kenne sie nur aus Berichten.
Bobby Sands war ein irischer Aktivist Anfang in den Siebziger Jahre, der für den politischen Arm der IRA für die Unabhängigkeit Nordirlands kämpfte. 1977 wurde Bobby Sands zu 14 Jahren Haft verurteilt, weil er angeblich eine Handfeuerwaffe bei sich trug. Doch es war allen ersichtlich, dass die 14 Jahre Haft nicht wegen Waffenbesitz, sondern wegen seinem politischen Engagement verhängt wurden. Am 1. März 1981 trat Bobby Sands in Hungerstreik und starb zwei Monate später. Damals war noch Margret Thatcher Premierministerin Englands, die sich strikt weigerte Bobby Sands zu begnadigen. So wurde er weltweit ein Idol und Vorbild für den Kampf um politische Freiheit.
Und es ist nun genau dieser Bobby Sands, dem in Teheran seit dem ein Straßenname gewidmet ist und dem unser jetziger „Supreme Leader“ und damaliger Staatspräsident Ali Khamenei bei einer seiner damaligen Freitagspredigten in höchsten Tönen als mutigen Freiheitskämpfer würdigte. Nun kommt der Bumerang zurück und Bobby Sands sitzt plötzlich im eigenen Gefängnis in Gestalt von Akbar Ganji.
Wo bleibt jetzt die Würdigung des mutigen Freiheitskämpfers?
Im Iran werden die mutigen Freiheitskämpfer aus aller Welt gewürdigt und erwähnt, außer die die im eigenen Land für Freiheit kämpfen. Ist das nicht pervers?
Doch diesmal sitzt die Regierung in einer Zwickmühle. Wird nämlich Ganji aus der Haft entlassen, dann wird er zu einem politischen Idol avancieren. Zumindest bei den Iranern. Ein iranischer Che Guevara sozusagen. Stirbt er in Haft, dann könnte dies ebenfalls passieren. Jemand der sein Leben für die Freiheit geopfert hat. Deshalb ist er auch kurzzeitig in ein Krankenhaus eingeliefert worden.
So könnten zumindest zwei Prognosen aussehen.
Aber irgendwie habe ich das Gefühl, dass keine dieser Prognosen wahr werden wird.
Denn die Demonstration vor einigen Tagen hat ein anderes Bild gezeigt. Es haben nur ca. 500 Menschen an der Demonstration teilgenommen, was in solch einem Fall gar keine Wirkung gezeigt hat. Anscheinend interessieren sich die Menschen gar nicht für solch einen Fall. Zumindest handeln sie nicht so. Denn als sich der Iran für die WM 2006 qualifiziert hat, waren in Teheran ca. 200.000 Menschen auf der Straße.
Fußball schön und gut, aber warum nicht für einen Akbar Ganji, der sich hier aufopfert?
Denn seit langer Zeit haben sie wieder die Chance ihre Unzufriedenheit gegen das Regime deutlich zu machen. Und das angetrieben durch einen Journalisten, der bereit ist im Gefängnis zu sterben. Bereit ist für die Menschen zu sterben um Aufmerksamkeit zu erregen. Doch diese Aufmerksamkeit verfliegt einfach so, weil sich anscheinend niemand für IHN und für die eigene politische Zukunft interessiert.
Man kann Akbar Ganji einiges vorwerfen; beispielsweise, das er zu Beginn der Revolution mit Khomeini partizipierte und sich freiwillig als Soldat für den Iran-Irak Krieg meldete. Aber ist sein jetziges Dasein im Gefängnis nicht Beweis genug, dass er sich aufopfert? Für mich ist die Gleichgültigkeit der Menschen ein Rätsel. Endlich traut sich jemand gegen das Regime zu handeln und das noch mit friedlichen Mittel, wie sich das immer alle wünschen, aber keiner will es wahrhaben.
Das hat der Mann nicht verdient.
Während der Wahl vor einigen Wochen haben viele gesagt, dass sie wählen werden, weil sie für Reformen stehen und dass die Reformen aus dem Regime kommen müssen. Viele waren sogar bereit Rafsanjani als neuen Präsidenten zu akzeptieren, weil er angeblich das kleinere Übel war. Soweit so gut, aber hier bietet sich nun die einmalige Chance für echte politische Reformen einzutreten und keiner will sie wahrnehmen.
So viele Chancen wird es nicht mehr geben…
July 14, 2005
Proteste für Akbar Ganji´s
Seit einigen Tagen finden mehr oder minder organisierte Studenten-Proteste an der Universität Teheran statt. Die Stundeten fordern die Freilassung aller politischen Gefangenen, insbesondere die Freilassung des inhaftierten Journalisten Akbar Ganji.
Am zweiten Tag dieser Proteste kam es auf dem Campus der Universität in Teheran sogar zu einigen Handgreiflichkeiten zwischen den Demonstranten und den Sicherheitskräften.


Akbar Ganji ist nun seit dem Jahre 2000 im Gefängnis. Ihm wurde in der Anklage u. a. "die Gefährdung der nationalen Sicherheit", "Verbreitung von Propaganda gegen das islamische System" sowie "Verunglimpfung von religiösen Erlassen und Persönlichkeiten" vorgeworfen. Ganj hatte u .a. in mehreren Zeitungsartikeln und Büchern einigen Mullahs (unter anderem auch Rafsanjani) vorgeworfen, an Korruption und politischen Morden beteiligt zu sein. Jedoch sprach er nie den Namen Rafsanjanis aus, sondern nannte ihn immer „die rote Eminenz“, wobei jeder wußte wer damit gemeint ist. Er sprach sich auch öffentlich, wie Aghajari, für eine Trennung zwischen Staat und Religion aus.
Im Jahre 2001 verurteilte ihn ein Gericht zu zehn Jahren Gefängnis. Ganji wurde hierbei von den Justizbeamten besonders hart in die Zange genommen. Der Journalist musste in Einzelhaft und im Gegensatz zu anderen politischen Häftlingen hat er kein Recht auf regelmäßige Besuche oder Kontakte. Auch mit seiner Frau zu telefonieren ist ihm nicht gestattet. Ganji berichtete immer wieder von Folterungen, die er erleiden musste. Wohl um sein lebend fürchtend, gab er aus dem Gefängnis heraus ein Statement ab, indem er beteuerte, nicht die Absicht zu haben sich das leben nehmen zu wollen. Mysteriöse Todesfälle unter politischen Häftlingen in den iranischen Gefängnissen werden von der offiziellen Seite nicht selten als reine Selbsttötungsdelikte dargestellt. Nun hat sich die gesundheitliche Lage von Ganji im gefängnis dramatisch verschlechtert. Man vermutet das schlimmste, sollte ihm keine medizinische Hilfe von außerhalb zu kommen.

Bitte Beteiligt euch an dieser Petition zur Freilassung von Herr Akbar Ganji.
July 11, 2005
Cyrus Kar und sein Kameramann frei!
Nach 54 tätiger Haft wurde der iranisch-amerikanische Filmemacher Cyrus Kar und sein Kameramann Farshid Faraji (aus Tehran) gestern endlich freigelassen, nachdem sie an unterschiedlichen Orten in Einzelhaft gehalten wurden. Unter anderem saß Kar mit dem ehem. Irakischen Außenminister und Saddam Stellvertreter Tariq Aziz in einem Trakt, wobei Faraji im berüchtigten Abu Ghreib Gefängnis mit Söldnern aus aller Welt saß.
Jedoch äußerte sich der konservative Kar überhaupt nicht wütend auf seine Inhaftierung, sondern hatte sogar Verständnis für seine Verhaftung. Laut seinen Aussagen haben die amerikanischen GIs nur ihre Arbeit getan und ihn auch nicht schlecht behandelt. Sie haben ihn nur während seiner Haft zu lange alleine gelassen. Außerdem haben die GIs während ihrer Inhaftierung Wertsachen, wie Laptop, Digitalkamera etc. beschädigt, um sie auf verdächtige Informationen zu prüfen. Das einzige was sie finden konnten waren über 20 Std. Aufnahmen von den Ruinen zu Babylon.
In dem Taxi, worin Sie saßen als Sie verhaftet wurden, befanden sich tatsächlich ca. 35 Waschmaschinen Zeituhren im Kofferraum, die jedoch nicht den beiden Filmemachern gehörten. Wahrscheinlich gehörten Sie dem Taxifahrer, wieso auch immer.
Schlussfolgernd kann man sagen: Zur falschen Zeit am falschen Ort gewesen.
Während Faraji so schnell wie möglich aus dem Irak ausreisen wollte, um nach Tehran zurückzukehren, wird Kar noch eine weile im Irak bleiben und an seiner Dokumentation von Kyros dem Großen weiterarbeiten. Zumindest hat er jetzt eine offizielle Drehgenehmigung...wenigstens etwas
July 09, 2005
Cyrus Kar
Der 44jährige Filmemacher Cyrus Kar aus den USA war im Irak unterwegs, um eine Dokumentation über seinen Namensvetter und Perserkönig Kyros den Großen zu drehen, als er von den amerikanischen Streitkräften festgenommen wurde.
Der gebürtige Iraner, der in den USA aufgewachsen und ausgebildet wurde, war in einem Taxi unterwegs und hatte Waschmaschinen Zeituhren! bei sich, die auch als Zeitzünder für Bomben verwendet werden können. Offiziell ist weder der Grund für seine Festnahme noch seine Festnahme an sich bestätigt.
Von Freunden und Bekannten wird er als politisch konservativ beschrieben.
Er ist der typische Republikaner Wähler, der Bush und seine Entscheidungen meistens zustimmt. Cyrus hat nicht nur in den USA studiert, sondern hat auch noch einige Jahre für die US Navy gedient!!!
Vielleicht ist auch das der Grund für seine Festnahme am 17 Mai diesen Jahres. Er hat sich wahrscheinlich dadurch verdächtig gemacht, da er in der US Navy gedient hat.
Ein Iraner, der den Feind ganz gut kennt und im Irak unterwegs ist, muss mindestens ein Spion sein, wenn nicht ein Organisator des Terrors.
Ich weiß nicht genau ob und wieso er Waschmaschinen Zeitzünder bei sich trug, aber wenn er diese bei sich trug, dann kann ich mir gut vorstellen, dass dies im Irak dieser Tage sehr verdächtig ist. Doch bislang hat sich kein US-Offizieller zu der Festnahme von Cyrus geäußert.
Solche Festnahmen und Reaktionen zu den Festnahmen kennen wir zur Genüge von den Amerikanern (Guantanamo). Allerdings durfte Cyrus einige Male mit seinen Verwandten telefonisch sprechen, - wenigstens etwas. Jedoch wissen auch die Verwandten derzeit nicht wie es ihm geht und wo genau er festgehalten wird.
Doch Cyrus hat Glück im Unglück. Die internationale Presse hat irgendwie Interesse an diesem Fall gefunden, welches Cyrus und seiner Familie etwas „Medienrummel“ und Aufmerksamkeit beschert hat. Doch was ist mit all den Festgenommenen, egal wo auf dieser Welt, von denen wir gar nichts wissen und deren Fälle nicht öffentlich gemacht werden?
Schwer vorstellbar, aber dieses Gefühl von Ohnmächtigkeit muss schrecklich sein. Er kann ja noch nicht mal: ‚Das Leben geht weiter’ sagen, da er gar nicht weiß ob es weitergeht oder nicht.
July 02, 2005
Ahmadinejad und die Angst
Habt ihr auch die Medien in den letzten Tagen verfolgt? Überall wurde die Angst geschürt, dass Irans neuer Präsident einen Staat wie Nord-Korea oder Afghanistan unter den Taliban errichten wird. So langsam nervt es mich.
Ich will nicht behaupten, dass all die Sorgen unberechtigt sind, aber es wird zu sehr Schwarzmalerei betrieben, was einfach übertrieben ist. Mit Sicherheit ist Ahmadinejad ein konservativer, aber so „ultra konservativ“, wie sogar in der Tageschau behauptet wurde, auch nicht.
Wahrscheinlich wird er den Reformprozess nicht so fortsetzen wie unter Khatami, aber er kann ihn auch nicht so einfach rückgängig machen, wie oft behauptet wird. Vielleicht wird er den Reformprozess aufhalten (was schlimm genug ist), aber ich denke nicht, dass er ihn rückgängig machen wird bzw. darf. Denn schließlich steht immer noch Khamenei hinter dem Präsidenten, der genauso hinter Khatami stand und ohne dessen Segen die Reformen unter Khatami gar nicht denkbar gewesen wären. Und Ahmadinejad wird einen Teufel tun und von sich aus Druck auf die Bevölkerung ausüben. Ob dies auf Anweisung von oben erfolgen wird ist genauso unwahrscheinlich. Ahmadinejad selbst hat ja von Äußerungen gesprochen, die während der Wahl missverstanden wurden. Die Zeit wird zeigen, wie er das wirklich gemeint hat…
Auch die Sorgen bezüglich der Atomfrage und der Wirtschafspolitik, die derzeit vom Ausland geschürt werden, sind mehr Panikmacher und entsprechen nicht den Tatsachen. Beispielsweise ist in der Atomfrage der so genante. „Chefunterhändler“ immer noch Hassan Rohani, der es auch wahrscheinlich weiter bleiben wird. Sprich, Ahmadinejad hat in diesem Punkt gar nichts zu melden. Anweisungen kommen von oben, die durch den „Chefunterhändler“ ausgeführt werden. Ahmadinejad wird höchstens nur das Drumherum durch einige Propagandareden ausfüllen.
In der Wirtschaft wird er auch nicht viel verändern können/dürfen. Stichwort: Abschaffung der Börse! Denn auch in Wirtschaftsfragen kommen die Anweisungen von anderer Stelle und der Präsident war/ist/bleibt nur ein Befehlsempfänger.
Ganz optimistische könnten auch so argumentieren: Da Ahmadinejad versprochen hat auch die Ärmsten an der Wirtschaft teilhaben zu lassen wird er handeln müssen. Dies könnte dann so aussehen, dass er die Vetternwirtschaft (Stichwort: Rafsanjani und Familie) bekämpft und die Industrie ausbaut, falls er sich wirklich an seine Wahlversprechen halten will.
Diese zugegebenermaßen sehr optimistische Idee ist kein Hirngespinst. Sie könnte durchaus wahr werden, weil
1.Ahmadinejad ein Mann Khameneis ist. D.h. jede Kritik an ihm ist auch indirekte Kritik an den „Führer“. Erfüllt er seine Rolle zum Unwohl seiner Wähler handelt er gleichzeitig zum Unwohle Khameneis.
2.Schon viele Wirtschaftsexperten diese Ideen angesprochen haben. So auch Michael Tockuss, Geschäftsführer der Auslands-Handelskammer in Teheran, in einem Statement in der aktuellen Wirtschaftswoche (WiWo 27, Seite 11).
Was ich bis jetzt „positives“ aus dieser Wahl nehme, ist dass wir bezüglich des neuen Präsidenten alle die gleiche Einstellung haben. Nämlich vorsichtig und misstrauisch gegenüber dem neuen Präsidenten zu sein, trotz der oben geschilderten Entlastungen. Schließlich ist er nun, aus welchen Gründen auch immer, für vier Jahre im Amt.
Daher müssen wir schauen, was wir in diesen vier Jahren gemeinsam erreichen können und im Gegensatz zur Zeit vor der Wahl müssen wir versuchen alle an einem Strang zu ziehen.
Denn egal ob für eine Wahlpartizipation oder Wahlboykott, unsere Theorien sind trotz gleicher Ziele (Reformprozess von innen) nicht aufgegangen, weil sich unsere Vorgehensweisen widersprochen haben. Beide Lager haben unvorhersehbar verloren. Daher ist meine Hoffnung, dass uns unsere Niederlage eint und wir bis zur nächsten Wahl „zusammenarbeiten“ können. Wie wir dann vorgehen werden, werden die nächsten vier Jahre zeigen.
Hoffentlich zwingt uns Ahmadinejad nicht gegen ihn, sondern mit ihm zu handeln.



